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Europäische Anwältin warnt: Smart Glasses etablieren Überwachung als Norm
Laut IT- und Datenanwältin Alexandra Iteanu, die in Les Echos schreibt, halten aktuelle rechtliche Rahmenbedingungen mit Kamerabrillen nicht Schritt. Sie argumentiert, dass die Erwartung, dass Passanten dem Filmen widersprechen, Grundrechte umkehrt und die öffentliche Überwachung normalisiert.
Die französische IT- und Datenanwältin Alexandra Iteanu sprach diese Woche eine deutliche Warnung bezüglich der Verbreitung von Smart Glasses aus und argumentierte, Europas Rechtssystem halte nicht Schritt. In einem am 7. August 2026 in der Meinungsrubrik "Le Cercle" von Les Echos veröffentlichten Gastbeitrag bekräftigt Iteanu, dass kamerabestückte Brillen die Überwachung schnell normalisieren und Privatsphäre zu einer Ausnahme statt einem Grundrecht machen.
Iteanus Analyse beginnt mit Alltagsszenarien, von der U-Bahn bis zu öffentlichen Cafés. Sie stellt fest, dass die Ära des Filmens ohne Zustimmung oder Warnung angebrochen ist. Die gängige Entgegnung, dass Einzelpersonen einfach ihren Einspruch gegen das Filmen äußern sollten, ist ihrer Ansicht nach eine "verkehrte Argumentation". Sie setzt fälschlicherweise ein Bewusstsein für die Aufzeichnung voraus und verlagert die Verantwortung vom Aufzeichnenden auf den Aufgezeichneten, was "einen weiteren Schritt in der Aushöhlung der Grundrechte" darstellt, wie Les Echos berichtet.
Europa ist nicht ohne rechtliche Schutzmechanismen. Iteanu verweist auf das Recht auf Privatsphäre, Bildrechte und den Schutz personenbezogener Daten. Artikel 226-1 des französischen Strafgesetzbuchs beispielsweise kriminalisiert die nicht-einvernehmliche Bildaufnahme in privaten Räumen und sieht erhebliche Strafen vor. Artikel 9 des Zivilgesetzbuchs verankert Bildrechte, während der EU Digital Services Act Online-Hinweis- und Entfernungsverfahren für Plattformen vorschreibt. In öffentlichen Räumen wie Straßen oder der U-Bahn wird die Anwendung dieser Gesetze jedoch zu "weitaus unsichererem Terrain", merkt Iteanu an. Während die rechtlichen Grundlagen bestehen, "stockt" ihre Umsetzung mit langsamen Maßnahmen, unvorhersehbaren Ergebnissen und kostspieligen Rechtsstreitigkeiten.
Ein entscheidender Präzedenzfall ist laut Iteanu der AI-Anhänger "Friend". Dieses stets "zuhörende" Gerät setzte seine europäische Einführung aus, um die Einhaltung der GDPR (Verordnung (EU) 2016/679) zu gewährleisten, nachdem die französische Datenschutzbehörde CNIL interveniert hatte. Dieser Fall demonstriere, dass "was die Menschen dort schützte, nicht ihre Reflexe...sondern der Gesetzestext war", argumentiert sie in Les Echos und deutet an, dass die Privatsphäre so lange Bestand haben wird, wie das Rechtssystem ihrer Aushöhlung aktiv entgegenwirkt.
Unsere Einschätzung: Diese Analyse ist entscheidend für die Smart Glasses-Branche. Jeder große Hersteller von Kamerabrillen - von Metas Ray-Ban-Linie und Snaps Spectacles bis hin zu XREAL, Rokid und verschiedenen chinesischen Anbietern - ist derzeit in Europa tätig. Ihr Standard-Datenschutznarrativ hängt oft von einer Aufzeichnungs-LED und Nutzungsbedingungen ab. Iteanus Argument stellt diese Designannahme direkt infrage und hinterfragt, ob ein blinkendes Licht in Verbindung mit der Verantwortung des Benutzers einen rechtmäßigen und ausreichenden Datenschutz darstellt.
Was das bedeutet: Die Regulierungslandschaft scheint sich in die von Iteanu beschriebene Richtung zu bewegen. Der Rückzug des Friend-Anhängers, das historische Interesse der CNIL an Always-on-Wearables und das Aufkommen neuer Brillen mit integrierten Displays und kontinuierlichen Vision-Pipelines, all das deutet auf eine kommende Welle rechtlicher, nicht technischer, Beschränkungen hin. Hersteller, die von Anfang an ein robustes Privacy Engineering priorisieren, anstatt es als nachträgliche Korrektur oder Flickwerk zu behandeln, werden den europäischen Markt voraussichtlich leichter navigieren können.
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